Grußwort des wissenschaftlichen Leiters

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

zum 19. Symposium der Kardiologie des Augusta-Krankenhauses Düsseldorf am 20.Juni 2026 möchen wir Sie sehr herzlich in den Industrieclub Düsseldorf einladen. Wir haben ein praxisnahes und abwechslungreiches Programm für Sie zusammengestellt und konnten viele erfahrene Kliniker als Vortragende gewinnen.

In der 1. Sitzung liegt der Focus auf der Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen durch GLP-1-RA, dem Screening auf familiäre Hypercholesterinämie, auf Inflammation und weiteren kardiovaskulären Risikofaktoren sowie der Behandlung und Kontrolle von Patienten mit Herzinsuffizienz und / oder pulmonaler Hypertonie.
GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA) sind wichtige Medikamente in der Behandlung von Adipositas, Niereninsuffizienz und Herzinsuffizienz, worauf Hr. Prof. Martin (Düsseldorf) in seinem Vortrag eingehen wird.
Das Screenen auf familiäre Hypercholesterinämie im Kindesalter ermöglicht eine frühzeitige Behandlung und senkt das kardiovaskuläre Risiko. Hr. Dr. Arens (Hannover) berichtet in seinem Vortrag über die Ergebnisse der VRONI-Studie, die Machbarkeit des Screenens auf FH und die positiven Erfahrungen in der frühzeitigen Behandlung der FH im Kindesalter.
Klassische Risikofaktoren spielen bei der Entwicklung kardiovaskulärer Erkrankungen eine wesentliche Rolle. Der folgende Vortrag von Prof.Leschke (Esslingen) befasst sich mit der Inflammation als zentraler Faktor für die Entstehung und Krankheitsprogression kardiovaskulärer Erkrankungen und gibt kausale Therapieempfehlungen.
Eine leitliniengerechte Therapie der Patienten mit Herzinsuffizienz und pulmonaler Hypertonie erfordert eine strukturierte Nachsorge um frühzeitige Rehospitationen aufgrund erneuter kardialer Dekompensationen (z.B. bei Diuretikaresistenzen, Vorhofflimmerrezidiven) zu verhindern. Dazu fassen Hr. Dr. Weber und Hr. Dr. Steffen aus unserer Klinik das strukturierte Vorgehen im stationären Setting und in der Nachsorge - inklusive der Anwendung der Telemedizin - zusammen.

Die 2. Sitzung umfasst die Themen ESC Leitlinien zur Myokarditis/Perikarditis, die Langzeitergebnisse der hypertrophen Kardiomyopathie (HOCM) unter Mavacamten und die Problematik des plötzlichen Herztodes bei Patienten mit Herzinsuffizienz. Die neuen ESC-Guidelines zu IMPS (inflammatorisches myoperikardiales Syndrom) ersetzen die bisherigen Leitlinien zur Perikarditis aus 2015 und decken erstmals auch die Myokarditis ab. Der folgende Vortrag fasst die wichtigsten Key Facts der Leitlinien und neue Erkenntnisse in der Herzinsuffizienz zusammen.
Für die hypertroph obstruktiv Kardiomyopathie gibt es seit August 2023 mit dem Myosin-Inhibitor Mavacamten eine neue Therapieoption. Fr. Dr. Seuthe (Köln) bewertet die Evidenz in der Behandlung der HOCM (LVOT Gradient ≥50 mmHg, LVEF >55 %, NYHA-Klasse II-III) und berichtet über erste Langzeitergebnisse dieses neuen Behandlungsprinzips und seine Langzeitsicherheit. Der plötzlicher Herztod ist für 35-64 % der Gesamtmortalität unserer Patienten mit Herzinsuffizienz verantwortlich.
Die ESC-Leitlinie empfiehlt in der Therapie der chronischen Herzinsuffizienz mit allen Substanzklassen früh zu starten. Bei einem Teil der Betroffenen verbessert sich durch eine optimale medikamentöse Therapie die linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF), so dass keine ICD-Indikation mehr besteht. Ein Cardioverter-Defibrillator (WCD) kann vorübergehend dazu beitragen, das Risiko für einen plötzlichen Herztod zu reduzieren. Hr. Prof. Duncker (Hannover) ist Coautor von nationalen und internationalen Positionspapieren zum Thema plötzlicher Herztod bei Herzinsuffizienz und fasst die evidenzbasierten Empfehlungen zum Thema tragbare Defiweste (WCD) versus implantierbarer ICD/ CRT zusammen.

Die 3. Sitzung befasst sich mit der interventionellen Therapie des chronischen Koronarsyndroms, mit den ESC Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von Herzklappenerkrankungen 2025 und dem Ersatz der Aortenklappe im Alter von 50-70 Jahren. Die perkutane Koronarintervention (PCI) mit optionaler intravaskulärer Bildgebung (IVUS,OCT) ist eine häufig genutzte interventionelle Therapieoption beim akuten und chronischen Koronarsyndrom. Arzneimittel-eluierende Ballons (DEB) sind vielversprechende Alternativen zu medikament-eluierenden Stents (DES). Hr. Prof. Gori (Mainz) wird den Stellenwert der intrakoronaren Bildgebung und neueste Implantationstechniken mit DES versus DEB beim CCS eingehen.
Die ESC/EACT-Leitlinien 2025 bieten umfassende Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie von Herzklappenerkrankungen. Hr. PD Gülker präsentiert die zentralen Neuerungen der Leitlinie. Bei der Wahl des Klappenersatzverfahrens ergibt sich gerade für jüngere Patienten mit der Indikation zum Ersatz der Aortenklappe ein Dilemma. Einerseits spricht die hohe Lebenserwartung gegen biologische Herzklappenprothesen, die absehbare Re-Eingriffe mit sich bringen. Andererseits besteht der Patientenwunsch eine Antikoagulation zu vermeiden, wie sie bei mechanischen Klappenprothesen dauerhaft erforderlich ist. Hr. Prof. Scherner (Düsseldorf) referiert über die verfügbare Evidenz zum Aortenklappenersatz in den Altersklassen der 50-70 Jährigen.

In der 4. Sitzung liegt der Focus auf der ablativen Therapie des Vorhofflimmerns mittels Elektroporation, der Diagnostik von atrialen Hochfrequenzepisoden, der Notwendigkeit zur Antikoagulation und dem interventionellen versus operativem Verschluss des linken Vorhofohres. Die Behandlung von Vorhofflimmern und anderen Herzrhythmusstörungen hat mit der Einführung der Pulsed Field Ablation (PFA) einen historisch technologischen Sprung gemacht und gilt als neuer Goldstandard in der interventionellen Kardiologie. Während klassische Verfahren auf Hitze (Radiofrequenz) oder Kälte (Kryoablation) setzen, nutzt die PFA -Elektroporation- pulsierende elektrische Felder.
Sie wirken selektiv auf Herzmuskelzellen und schont umliegendes Gewebe. Daher wird dieses Verfahren bei Patienten mit paroxysmalem Vorhofflimmern jetzt auch bevorzugt im Augusta Krankenhaus zur Isolation der Pulmonalvenen eingesetzt. Hr. Dr. Tutdibi als Leiter der Rhythmologie und Elektrophysiologie aus unserer Klinik berichtet über die klinischen Erfahrungen und Ergebnisse dieses neuen Ablationsverfahrens.
Atriale Hochfrequenzepisoden (AHRE) sind kurze atriale Arrhythmien, die von Schrittmacher / ICD Geräten detektiert werden können. Sie gelten als fakultative Vorstufen von Vorhofflimmern und erfordern ggfs. eine Antikoagulation zur Schlaganfallprophylaxe. Hr. Prof. Horlitz (Köln) fasst die Evidenz der AHRE nach aktueller Studienlage und ESC Empfehlungen evidenzbasiert zusammen. Abschließend thematisiert Hr. Dr. Kranz, FOA aus unserer Klinik die aktuelle Datenlage zum interventionellen und chirurgischen LAA Verschluss.
Der interventionelle Vorhofohrverschluss ist eine effektive Methode zur Risikoreduktion des Schlaganfalls insbesondere für Patienten, die aufgrund von erhöhten Blutungsrisiken oder stattgehabten Blutungen keine Antikoagulation einnehmen können.
Ob mit der Ablation des Vorhofflimmerns auch gleichzeitig ein LAA Occluder implantiert werden sollte wurde in der Closure AF Studie untersucht und wird abschließend diskutiert.

Wir hoffen, dass Sie Interesse an unseren Themen finden und freuen uns auf eine gemeinsame Diskussion und Gespräche mit Ihnen im Industrieclub.

Mit freundlichen kollegialen Grüßen

Ihr Prof. Dr. med. R. M. Klein